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Gnä Frau und die Genesung


Gnä Frau hatte einen Durchhänger, keine Sorge, es ist vorüber und darüber berichte ich hier.

Gnä Frau hatte einen dicken Unterkiefer, gewissermaßen wie eine alte Dame mit Doppel- oder Dreifachkinn.

Sie aß, sie trank, war aber dennoch merklich gebremst.
Mit Argusaugen beobachtete ich am Abend, als mir ihr Aussehen schon von Ferne befremdlich schien, jeden Schritt.

Erbärmlich sah sie aus.
Nicht schön anzusehen.
Kein Zustand von Dauer, wenn es nach mir ging.

Am nächsten Tag, ein früher Nachmittag, ich ging früh aus dem Büro, sammelte ich sie ein, ganz Dame ließ sie sich in ihren Korb setzen, ohne Anstalten, diesen wieder fluchtartig verlassen zu wollen.

Der Weg zum Wagen, die Fahrt, länger als ihr lieb war, dennoch, unter leisem Maunzen ertragen.

Mein Tierarzt, ein lieber Mensch, der mir immer den Eindruck vermittelt, dass er mit Tieren nicht nur sein Geld verdient, sondern sie auch mag und ihnen helfen will.
Nach kurzem Warten und kurzer Beschreibung der Symptome nahm er sie in Augenschein, diagnostizierte harmloses und versprach Besserung.
Und Gnä Frau eine Spritze.
Sie ertrug es scheppernd, ich hielt sie, sie tat mir leid, aber im Gegensatz zu mir, macht sie beim Arzt kein Drama.
Kein Fauchen, kein sich Wehren.
Vielleicht ahnt sie ja ein wenig, das geholfen werden soll.

Tabletten für die kommenden Tage, zu den Mahlzeiten und die Schwellung sollte schnell verschwinden.

Das tat sie auch, war am nächsten Morgen beinahe und am Abend ganz zurückgegangen.
Gnä Frau bekam ihre Tabletten, versenkt in Sauce.
Und war in Tagesfrist wieder die alte, sprang herum, agil, aufgedreht, überdreht.

Ich bewundere die kleinen Wesen.
Nicht selten habe ich gestaunt, wie Katzen nach Eingriffen in kürzester Zeit, ganz voll mit zähem Überlebenswillen um Kontrolle ringen, nicht klein beigeben wollen und die Oberhand zurückgewinnen.

Ich bewundere sie nicht wenig dafür.
Gnä Frau geht es gut und nichts weniger soll sein.

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