Schlagwort-Archive: Spiel

Gnä Frau und Papier


Ich freu mich immer für die Gnä Frau, wenn ein neues Ding ihre Aufmerksamkeit erregt und sie sich damit beschäftigt.

Das sie ein Faible für Kartons und Kunststoffe hat ist nichts neues.
Sie hat ihr Universum wieder um ein Material erweitert: Papier.

Gestern gab es Post in Form eines kleinen Kartons, zur Polsterung gefüllt, mit festem Packpapier.

Nicht ohne Hintergedanken hab‘ ich den Karton erst mal unter dem Wohnzimmertisch stehen lassen.
Mal sehen, wann die Neugier sie packt.
Und die Gnä Frau hat mich nicht lange warten lassen.

Sie mag ja Kartons, aber als sie bemerkte, dass dieser hier mit Papier angefüllt war, da war kein Halten mehr.
Als erstes zerrte sie einen Streifen heraus und legte sich, ach was sage ich, wälzte sich darauf herum.
Glück ist ein Streifen Papier. Eindeutig. Für Gnä Frau.
Der ist jetzt ihr neuer Schlafplatz.

Später dann, als der Rest auch begutachtet wurde, klemmte sie sich in den viel zu kleinen Karton. Kippte erst einmal gepflegt mit ihm um.
Entspannte sich dabei, mit den Hinterläufen im Rest des Kartonpapiers herum zu treten.
Wie üblich sehr sympathisch.

Ich richtete den Karton noch einmal auf.
Sie ließ sich nicht bitten, stieg brav noch einmal hinein und verharrte dann, so hoffe ich, zufrieden, in sitzender Pose.

Ich durfte sie ablichten. Wenn ich mich beeile.
Danke für die Geduld mit mir, Gnä Frau.

Gnä Frau Papier

Werbeanzeigen

Winter und Weintrauben


Heute hat es geschneit.
Ich wünschte, ich würde mir das zusammenreimen, aber dem ist nicht so.
Ich werde nicht frieren, diverse Meter Holz vor dem Haus gewähren drinnen angenehme Temperaturen.
Drinnen, nicht draussen.

Das bedeutet, dass Gnä Frau den Abend nun häufiger bei oder sogar mit mir verbringen wird.
Sie mag kaltes Draussen nicht.
Die Gnä Frau hat aber nun mal, unabhängig des Ortes, an dem sie gerade am liebsten ist, einen ziemlichen Bewegungsdrang.

Und ich verschaffe ihr Weintrauben, damit sie sich Bewegung verschafft.
Das Haus, dass wir uns teilen, also, dass, in dem ich auch leben darf, hat eine offene Küche.
Praktisch für alle, mal abgesehen, von knoblauchschwangeren Gelagen, die noch etwas länger die Nase erfreuen.
Ein Vorteil ist, dass ich mitbekomme, wann es die Gnädige in die Küche zieht.
Ich sehe das recht gelassen, sie ist, was Mundraub angeht, Vegetarierin.
Sie stiehlt Weintrauben.
Weintrauben sind mein süßes Naschwerk, ich kann nicht durch die Küche gehen, ohne ein paar davon in den Mund zu schieben. Es liegen stets frische bereit.
Auch die Gnä Frau bedient sich gern daran. Immer nur eine, vorsichtig von den anderen abgetrennt, springt sie mit der einen wieder von der Anrichte.
An der Stelle bemerke ich den Diebstahl.
Sie liebt Weintrauben.
Freilich nicht zum Verzehr. Niemals.
Aber als eiernder Ballersatz taugen sie ganz hervorragend.
Ich verstehe das ganze Gesumms um Millionablösen für irgendwelche Halbstarken nicht.
Gnä Frau würde sie alle links liegen lassen, ihre Dribbelkünste brauchen keinen Vergleich zu scheuen. Sie ist die Meisterin der Traube.
Einem Derwisch gleich springt, wirbelt und rutscht sie durch die Räume, immer der Traube hinterher. Lässt sich fallen, schlägt Saltos in der Luft, überholt sich selbst, um sich dann wieder einzuholen, um die Traube ein weiteres mal von ihr weg zu kicken. Meisterlich.
Ich lächle, halte ein, was immer ich gerade tue und beobachte sie.
Sie verliert das kleine Ding nie aus dem Auge. Mit geradezu größtem Geschick versteht sie es, die Traube in die vertracktesten Stellen zu bugsieren, so dass es äußerst schwierig ist, sie wieder hervor zu frickeln. Einfach ist für andere. Sie liebt es kompliziert.
An einem Abend verbraucht sie zwei bis drei Trauben.
Meine Aufgabe ist es, mich am nächsten Tag auf die Suche zu machen.
In die ein oder andere laufe ich hinein, Bilder von Nacktschnecken unter meinen Füßen steigen empor. Ich entsorge sie schweigend, ganz Personal, dass ich bin.
Andere tauchen nach einiger Zeit in Rosinenform wieder auf.
Auch hier, die schweigende Prozedur der Entsorgung. Ich verstehe meinen Job.
Wichtiger als das Entsorgen, ist das Vorhalten stets frischer Weintrauben.
Ich mache das schon ganz gut.
Hoffe ich.

Trauben