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Gnä Frau und Papier


Ich freu mich immer für die Gnä Frau, wenn ein neues Ding ihre Aufmerksamkeit erregt und sie sich damit beschäftigt.

Das sie ein Faible für Kartons und Kunststoffe hat ist nichts neues.
Sie hat ihr Universum wieder um ein Material erweitert: Papier.

Gestern gab es Post in Form eines kleinen Kartons, zur Polsterung gefüllt, mit festem Packpapier.

Nicht ohne Hintergedanken hab‘ ich den Karton erst mal unter dem Wohnzimmertisch stehen lassen.
Mal sehen, wann die Neugier sie packt.
Und die Gnä Frau hat mich nicht lange warten lassen.

Sie mag ja Kartons, aber als sie bemerkte, dass dieser hier mit Papier angefüllt war, da war kein Halten mehr.
Als erstes zerrte sie einen Streifen heraus und legte sich, ach was sage ich, wälzte sich darauf herum.
Glück ist ein Streifen Papier. Eindeutig. Für Gnä Frau.
Der ist jetzt ihr neuer Schlafplatz.

Später dann, als der Rest auch begutachtet wurde, klemmte sie sich in den viel zu kleinen Karton. Kippte erst einmal gepflegt mit ihm um.
Entspannte sich dabei, mit den Hinterläufen im Rest des Kartonpapiers herum zu treten.
Wie üblich sehr sympathisch.

Ich richtete den Karton noch einmal auf.
Sie ließ sich nicht bitten, stieg brav noch einmal hinein und verharrte dann, so hoffe ich, zufrieden, in sitzender Pose.

Ich durfte sie ablichten. Wenn ich mich beeile.
Danke für die Geduld mit mir, Gnä Frau.

Gnä Frau Papier

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Gnä Frau und ihr Lieblingsort


Die Lieblingsplätze der Gnä Frau.

Ich mag mein Sofa. Es ist neben dem Sekretär, an dem ich gerne sitze, denke und schreibe, mein Favorit. Mein Lieblingsplatz für alles, was keine Arbeit ist.
Wo ich verweile, sinniere, den Kontakt mit den Lieben pflege und gelegentlich (sic!) auch einschlafe.

Ich bin da ziemlich festgelegt, mit diesem Ort. Wüsste gar nicht, wo ich hin soll, so ich von ihm vertrieben werden sollte. Niemand vertreibt mich, so muss ich darüber nicht nachdenken.
Naja, wenn ich fliehe, dann vor Mücken, ein Gramm schwer und mörderisch.
Und wenn ich dann fliehe, dann ins Bett.
Müdigkeit ist aller Laste Ende.

Die Gnä Frau macht es sich da bedeutend schwerer.
Selten wird zur Flucht getrieben, sie treibt sich selbst.
Wechselt ihre Lieblingsorte in unvorhersehbarer Reihenfolge.

Da gibt es zum einen den schon erwähnten «Platz hinter dem Sofa».
Die, ebenfalls schon erwähnte Fototasche oder die orange Umhängetasche.

Gelegentlich verweilt sie auf meinem Bücherstapel, den Inhalt verschmäht sie gern, auf meinem Tisch oder seit neuestem, eingezwängt zwischen lärmenden Lautsprechertürmen,
auf abgehängten Bildern, die da aufgeschichtet sind.

Und als neues Highlight, ich bin ja so gut zu ihr, der neue Großraumkarton unter meinem Sekretär.
Den liebt sie, sitzt darin, wie eine Autofahrerin, die im Cabrio durch die Landschaft saust.
Gelegentlich springt sie, von was weiß ich gestochen, vermutlich einem Floh, aus dem Karton, beendet sozusagen ihre wilde Fahrt, einem Stuntgirl gleich, springt und sprintet zum nächsten Ort.

Der ist dann unter der Spüle.
Diese ist freistehend und hat unter ihr Platz für Papiertüten und Katzenfutter.
Klingt schlampig? Ein wenig ist es das auch, aber nur ein wenig. Alles für die Katze.

Papiertüten, groß, geräumig und raschelig erfreuen die Gnä Frau.
Sie kann, wenn die Tüte entsprechend unter der Spüle liegt, ich gebe mir da keine Mühe mehr, diese aufzuräumen, sie kann mit Vollgas hineinspringen.
Dann sitzt sie darin, vollkommen erstarrt, schaut vermutlich Löcher ins feste Papier.
Wenige Minuten später beginnt die Qual der Wahl des Lieblingsplatzes aufs Neue.
Sie hat es nicht leicht.

Es gibt Momente, da ist sie nicht so sehr getrieben. Ich habe noch keine Regel dafür aufstellen können. Wie auch? Sie ist Katze und nicht in Regelwerk zu zwängen.
In diesen Momenten dann besucht sie mich auf meinem gewöhnlichen Sofaplatz.
Das finde ich gut. Sie macht sich rar. Und deshalb ist sie um so willkommener.
«Hallo schöne Frau» murmel‘ ich dann und alles ist gut.