Heute: Streik


Gnä Frau mag nicht.
Ich würd‘ schon, aber kann nicht.
Paradox, was?

schönen Samstag!

Gnä Frau verweigert

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Winter und Weintrauben


Heute hat es geschneit.
Ich wünschte, ich würde mir das zusammenreimen, aber dem ist nicht so.
Ich werde nicht frieren, diverse Meter Holz vor dem Haus gewähren drinnen angenehme Temperaturen.
Drinnen, nicht draussen.

Das bedeutet, dass Gnä Frau den Abend nun häufiger bei oder sogar mit mir verbringen wird.
Sie mag kaltes Draussen nicht.
Die Gnä Frau hat aber nun mal, unabhängig des Ortes, an dem sie gerade am liebsten ist, einen ziemlichen Bewegungsdrang.

Und ich verschaffe ihr Weintrauben, damit sie sich Bewegung verschafft.
Das Haus, dass wir uns teilen, also, dass, in dem ich auch leben darf, hat eine offene Küche.
Praktisch für alle, mal abgesehen, von knoblauchschwangeren Gelagen, die noch etwas länger die Nase erfreuen.
Ein Vorteil ist, dass ich mitbekomme, wann es die Gnädige in die Küche zieht.
Ich sehe das recht gelassen, sie ist, was Mundraub angeht, Vegetarierin.
Sie stiehlt Weintrauben.
Weintrauben sind mein süßes Naschwerk, ich kann nicht durch die Küche gehen, ohne ein paar davon in den Mund zu schieben. Es liegen stets frische bereit.
Auch die Gnä Frau bedient sich gern daran. Immer nur eine, vorsichtig von den anderen abgetrennt, springt sie mit der einen wieder von der Anrichte.
An der Stelle bemerke ich den Diebstahl.
Sie liebt Weintrauben.
Freilich nicht zum Verzehr. Niemals.
Aber als eiernder Ballersatz taugen sie ganz hervorragend.
Ich verstehe das ganze Gesumms um Millionablösen für irgendwelche Halbstarken nicht.
Gnä Frau würde sie alle links liegen lassen, ihre Dribbelkünste brauchen keinen Vergleich zu scheuen. Sie ist die Meisterin der Traube.
Einem Derwisch gleich springt, wirbelt und rutscht sie durch die Räume, immer der Traube hinterher. Lässt sich fallen, schlägt Saltos in der Luft, überholt sich selbst, um sich dann wieder einzuholen, um die Traube ein weiteres mal von ihr weg zu kicken. Meisterlich.
Ich lächle, halte ein, was immer ich gerade tue und beobachte sie.
Sie verliert das kleine Ding nie aus dem Auge. Mit geradezu größtem Geschick versteht sie es, die Traube in die vertracktesten Stellen zu bugsieren, so dass es äußerst schwierig ist, sie wieder hervor zu frickeln. Einfach ist für andere. Sie liebt es kompliziert.
An einem Abend verbraucht sie zwei bis drei Trauben.
Meine Aufgabe ist es, mich am nächsten Tag auf die Suche zu machen.
In die ein oder andere laufe ich hinein, Bilder von Nacktschnecken unter meinen Füßen steigen empor. Ich entsorge sie schweigend, ganz Personal, dass ich bin.
Andere tauchen nach einiger Zeit in Rosinenform wieder auf.
Auch hier, die schweigende Prozedur der Entsorgung. Ich verstehe meinen Job.
Wichtiger als das Entsorgen, ist das Vorhalten stets frischer Weintrauben.
Ich mache das schon ganz gut.
Hoffe ich.

Trauben

Gnä Frau ignoriert


Gnä Frau ignoriert mich.

Das Los des Personals.
Man hat da zu sein, darf den Blick nicht erheben. Hauptsache man ist servil und ansonsten weitestgehend unauffällig.
Ich lärme und schmutze nur noch sehr eingeschränkt.
Der Gnädigen wär‘ das auch nicht so recht.

Im Zusammenleben zwischen Katze und Mensch muss jeder seine Position finden. Der mir angestammte Platz ist unter der Gnädigen. Das benötigt keiner Erwähnung. Ich erwähne es trotzdem. Mein kleiner Aufstand eben.
Sie ist gerade draussen unterwegs, da kann ich ein wenig auf dem Dach tanzen.
Auch ist sie an Geschriebenem nur mäßig interessiert. Kein Wunder, es ist mein Geschriebenes und wie wir wissen, sie ignoriert mich.

Gelegentlich keimt in mir der Wunsch nach ihrer Nähe auf. Ich kann sie nicht nur aus der Ferne verehren.
Dann werde ich lächerlich. Buhle um ihre Aufmerksamkeit. Mach‘ mich zum Deppen. Rufe Sie!
Sie ignoriert es, ganz die Dame, die sie ist.
Da gibt es dann ihrerseits auch kein Nachhaken. Sie ist wirklich groß.
Ich zu solchen Gelegenheiten, jämmerlich.

Sie ist die unnahbar Schöne, die nur in seltenen Momenten die Maske fallen lässt.
Ignoriert sie mich dermaßen, dass sie vergisst, dass ich im Raum bin, wenn sie, dem Wahnsinn nahe, Gummiringen, die sie selbst durch die Luft fliegen lässt, hinterher springt, Köpfe in viel zu kleine Kartons steckt und sie mit eleganten Hinterläufen traktiert?
Bin ich Luft?
Hört mir jemand zu?

Gnä Frau ignoriert
Gnä Frau ignoriert

Gnä Frau und das Schlafen


Es ist, wie schon beschrieben, das liebste Ding der Gnädigen.
Die bevorzugten Orte, wie ich, wechselnd.
Manchmal überschneiden wir uns, treffen uns wieder.
Nicht ganz am selben Ort, doch beinah.
Ich teile das Bett mit ihr. Den Karton unter dem Bett jedoch nicht.
Den liebt sie inniglich, ich weniger. Ihr zu groß, mir zu klein.

Das Sofa, entweder in meinem Arm (Privileg!), auf meinem Bauch (Weihnachten!) oder, mir den Rücken zukehrend(Was hab‘ ich getan?), am anderen Ende der weiten Sofaflur.

Das Sofa kann nicht ganz unter dem Fenster stehen, da ist ein Heizkörper.
Er schafft einen kleinen Spalt, eine handbreit weit.
Dort hab ich Decken, die bei mir in Ungnade gefallen sind, Muster, Stoff, was weiß ich, manchmal passt es nicht mehr, hineingestopft. Auf dem Sofa, in der Ecke, in der das Deckenparadis ist, hab ich andere, nicht in Ungnade gefallene Decken gestapelt.
So ist eine Höhle aus Spalt und Decken gebildet.

Die Gnä Frau liebt diesen Platz, kann dort in Sicherheit auf Decken schlummern, unentdeckt.
Manchmal treibt mich die Neugier, dann verschaffe ich mir einen Blick auf sie, wie sie da liegt und friedlich schläft.
Sie bemerkt es nicht, vielmehr, ordnet die Geräusche, die ich erzeuge ins Vertraute ein, schläft weiter. Eingerollt.

Sie kann auch den öffentlichen Schlaf zelebrieren.
Dann liegt sie auf einer meiner Taschen, neben dem Sekretär und lässt sich nicht durch Schritte, nicht durch laute Musik stören.
Gestern: Schlußakt Don Giovanni, kein Ohr, nicht mal ein Zucken und Mozart schont nicht die Pauken, die Streicher und Stimmen und ich, schone die Lautsprecher nicht. Privileg des abgelegenen Wohnens.
Ihr ist es gleich. Gnä Frau schläft.
Da lässt sie sich nicht beirren.
Gute Nacht. Schlaf‘ gut.

Gnä Frau schläft tief
Gnä Frau schläft tief

Der kleine Unterschied


Der Unterschied zwischen Hund und Katze

Der Hund denkt sich: Mein Herrchen gibt mir immer Futter, wenn ich will,
er geht mit mir Gassi, er streichelt mich, er verwöhnt mich.
Ich glaube mein Herrchen ist Gott!

Die Katze denkt sich:
Ich bekomme immer Futter, wenn ich will,
ich werde verwöhnt wann ich will,
ich kann machen was ich will.
Ich glaube ich bin Gott!

Weltbilder sind manchmal so einfach.
Ich kann dem nichts hinzufügen.

Chefin

Gnä Frau und das Trinken


Ich trinke gern.
Morgens mehr Kaffee als mir gut tut, nachmittags auch, abends nicht.
Zwischendrin Wasser und Abends, ein Glas, eine Flasche Wein. Je nach dem.

Irgendjemand meinte einmal, Durst zu verspüren wäre schon ein sicheres Zeichen für fast einen Liter zu wenig Flüssigkeit im Körper.
Gut, ich verspüre selten Durst und wenn, dann zu den unpassendsten Gelegenheiten.
Immer dann, wenn nichts zu trinken greifbar ist, zum Beispiel.

Gnä Frau trinkt nie.
Nicht, wenn ich zugegen bin.
Nicht, wenn ich ihr im Verborgenen auflauere und versuche, sie beim Trinken zu beobachten.
Nicht, wenn ich nicht hinschaue und auch nicht, wenn ich hinschaue.
Ich habe eine kleine Webcam, die auf Bewegung reagiert, auf den Platz gerichtet, an dem ich serviere und an dem stets etwas zu Trinken bereitsteht.
Es gibt endlose Aufzeichnungen vom Verzehr. Nicht vom Trinken.
Aus Angst, sie mag es nicht, dabei gefilmt zu werden und dass sie demnach bald verdursten wird, habe ich die Kamera wieder abgebaut und meinen Beobachtungsposten in der Spüle erneut bezogen.

Stunden später und endlose Entrenkungen meiner selbst später muss ich resigniert gestehen:
Sie trinkt nicht.

Mir ist nicht klar, wie sie das macht.
Vielleicht ist es ihr Glaube.
Wo kommen Siam und Halbsiamkatzen eigentlich ursprünglich her?
Gibt es in ihrer Heimatregion Glaubensrichtungen, die in extremer Enthaltsamkeit praktiziert werden?
Habe ich da eine Bildungslücke?

Ich habe beschlossen, dass mir der Umstand ihrer Getränkeverweigerung keine Sorgen macht.
Gnä Frau raschelt nicht und die tägliche Fellpflege gelingt ihr ohne zu Husten.
Sie scheint nicht auszutrocknen.
Gut.
Sie wird auf ihren Streifzügen irgendwo einkehren. So wird es sein. Sich hemmungslos besaufen und dann nach Hause wanken.
Haben Katzen einen Kater?

Die große Katze


Gerade eben kommt Gnä Frau aus der Küche, hat ihr zweites Frühstück eingenommen und sucht sich ein Plätzchen für die Reinigung, das Verdauen und den Schlaf.

Wenn ich ihr zusehe, wie sie da um die Ecke kommt, vollkommen gelassen, gerade vom Jagd-, Spiel- und Fresstrieb befreit, ohne Hektik, so stelle ich mir vor, sie wäre fünf mal so groß.

Die Bewegungen, das Spiel der Schultern beim Gehen, das Wiegen des Rückens, wenn sie so vollkommen entspannt durch ihr Reich schlendert. Dieses Spiel ihres Körpers ist perfekt in der Bewegung. Absolut.

Ich habe es schon so oft gesehen und dann bin ich wieder hoch beeindruckt, wie schön wahre Eleganz aussehen kann.

Vor einigen Tagen war auf arte eine Dokumentation zu sehen, „Der Löwenflüsterer“.
Ich muss gestehen, ich habe nur die Bilder laufen lassen, war mit Musikhören und Anderem beschäftigt. Die Bilder jedoch waren beeindruckend.
Da hat jemand Umgang mit Löwen und Löwinnen, ausgewachsenen, irrwitzig großen Katzen.
Macht das selbe mit ihnen, was ich gelegentlich Gnä Frau zukommen lasse.
Krault sie am Hals, auf dem Schädel.

Das Schöne an der Dokumentation waren die Momente, in denen die großen Katzen wie Kleine waren.
Da ist dann kein Unterschied zu sehen.
Ob sie nun in der Savanne unter einem Baum nach Schatten und Ruhe suchen oder bei mir ein wenig Verdauungsschlaf unter dem Wohnzimmertisch. Es sind Katzen.

Nur im Streit und Spiel unter sich, ist der Unterschied wahrnehmbar.
Es gab in der Dokumentation eine Szene, in der zwei junge Löwen kämpfen.
Ich denke, es war ernst. Die Wucht der Prankenhiebe, das unvorstellbare Tempo des Schlages.
All‘ die Kraft. Ich sah‘ Knochen bersten. Meine…

Der Protagonist war in der Szene nicht im Bild. Ich denke, so weit geht Freundschaft und Wahnsinn dann doch nicht.

arte wiederholt die Sendungen, es sind zwei Teile,
So 6.10. 09:35 – Der Löwenflüsterer – Der große Start
So 6.10. 10:20 – Der Löwenflüsterer – Ein neuer Lebensraum
Und noch einmal am 13.10. und 14.10.

Gezeigt werden schöne Bilder über große Katzen, die zeigen, wie nahe unsere kleinen Katzen mit ihnen verwandt sind.
Ein Narr, wer das nicht ernst nimmt.
So weich und schön sie sind, es sind Killer, die stets lauern und das Signal zur Jagd stets vernehmen. Und jagen.
Wenn sie nicht gerade schlafen…

Rast am Morgen
Rast am Morgen

Die Gnä Frau und das Essen


Katzen sind merkwürdig, Gnä Frau ist merkwürdig. Was Essen betrifft.

Hier mal ein paar ordentliche Reinfälle, im Versuch, der Gnä Frau etwas besonderes zum Frühstück oder Abendessen zu zaubern.

Applaws Selection Katzenfutter 12 x 70 g- Fischauswahl
Applaws Selection Katzenfutter 12 x 70 g- Hühnchenauswahl

Interessant war, zu bemerken, dass sie hocherfreut Richtung Essen stürmte, um dann nach einem Bissen so etwas wie:
«Das ist jetzt nicht dein Ernst?» in meine Richtung zu gucken / maunzen…
Nachbars Katzen fanden es gut. Immerhin.

Nächster Versuch:

Whiskas Mmmmm…Naturstücke Frischebeutel 12 x 85 g- Fleisch: Saftige Selektion
Whiskas Mmmmm…Naturstücke Frischebeutel 12 x 85 g- Fleisch: Köstliche Menüs
Whiskas Mmmmm…Naturstücke Frischebeutel 12 x 85 g- Fisch: Ozean-Menüs

Lächerlich geringe Akzeptanzquote.
Desinteresse, später dann mehr oder weniger gequältes Heruntergewürge.
Trockenfutter wird plötzlich interessant. Schmeckt gar nicht so schlecht…
Meine Güte, kann Gnä Frau beleidigt schauen.
Ab zum Nachbarn damit, die Katzen nehmen es gern.

Totalreinfall:
Unser Land Katzenfutter aus der Region, in den Geschmacksrichtung Bäh und Schmeiss es weg.
Mittlerweile habe ich dazu gelernt, kaufe geringere Probemengen, eine Packung pro Sorte.
Also Unser Land:
Garantiert Gentechnik frei. Die Gnädige steht über solchen Debatten.
Rührt weder die Sorte Fisch noch Fleisch an.
Ich kann es ihr, bei der Konsistenz nicht verdenken.

Die spannende Frage, was Gnä Frau so isst, lässt sich leicht beantworten.
Aldi – Cachet, Hauptsache in Sauce. Alle Sorten.
Nicht ganz so gern, die Rewe „Ja“ Hausmarke. Die scheint grenzwertig.
Generell isst sie Essen, dass in Sauce schwimmt wesentlich, lieber als Geliertes oder Pampfe, wie dem Unser Land Futter.

Mir soll es recht sein. Ich prüfe vor jedem Kauf im Discounter, ob Zucker enthalten ist, würde mich nach Alternativen umsehen, wenn dem so wäre.
Ich wundere mich wieder und wieder über Asche im Nassfutter und resigniere und kaufe es dennoch.

Die obige Liste der Reinfälle, beim Versuch der Gnädigen gutes zu tun, ist noch länger.
Sicher sind in den Berwertungsportalen der Tiernahrungsanbieter unterschiedliche Erfahrungen abgebildet.
Aber ist es wirklich so, dass sich Gnä Frau’s Geschmack so sehr von den Bewertungen unterscheidet?
Vielleicht sollte ich ihr die postivien Bewertungen über oben genannte Produkte, die sie verweigerte, vorlesen.

Gelegentlich, wenn ich mir einen Thunfisch gönne, gebe ich ihr etwas ab.
Das findet sie gut. Nicht bis zur Gier, aber sie nimmt es gern. Immerhin, wir sind uns einig.

Gna Frau guckt

Das Leben mit Katze

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