Archiv der Kategorie: Rituale

Gnä Frau und der Abschied


Es kommt vor, dass ich für einige Tage mal weg muss.
Der Alltag, die Liebe, es gibt immer Gründe, die einen von Zuhause weg ziehen.

Zum Glück habe ich einen katzenfreundlichen Nachbarn, wir versorgen unsere kleinen Besitzerinnen und Besitzer gern, falls von uns einer mal weg muss.

Gestern morgen musste ich weg.
Alles war präpariert. Gnä Frau musste nach ihrem Frühstück noch ganz dringend eine Runde im Garten drehen. Es sei gewährt. Was habe ich ihr da schon reinzureden?

Ich wollte sie im Haus wissen, wenn ich gehe und so bin ich selbst auch noch einmal in den Garten habe sie gesucht, wurde jedoch nicht fündig.
Beschloss die beiden Schüsseln, mit Nass- und Trockenfutter
raus zu stellen, so dass sie den Tag über versorgt ist.
Gnä Frau jagt nicht. Sei es Mangel an Lust oder Talent. Sie ahnt wohl, dass sie es mit mir leichter hat, stets genügend bekommt. Über das Genügend streiten wir beide vortrefflich.

Ich stelle also die Schüsseln raus, sperre die Türe ab, nehme meine beiden Reisetaschen und mache mich auf den Weg zum Bahnhof.
Gnä Frau kommt um die Ecke…
Ich kehre um…
Stelle die Taschen ab, sperre auf, rede noch ein wenig mit ihr. Trage die Schüsseln wieder rein.
Sie geht an der offenen Tür vorbei, zum Nachbarn rüber.
Ich fluche.
Nehme die Schüssel mit dem Trockenfutter, scherbel ein wenig herum, versuche sie zu locken.
Kein Interesse, Gnä Frau hat ja schon gefrühstückt.

Ich nehme die beiden Schüsseln stelle sie wieder raus.
Will die Türe wieder verschließen, ich muss so langsam mal los.
Gnä Frau nähert sich.
Ich sperre die Türe wieder auf.
Gnä Frau spaziert ins Haus.
Ich trage die Schüsseln wieder rein.

Es ist, wie es ist.
Ich wünsch Dir ein paar schöne Tage. Ich weiß Dich wohl versorgt.
Auf bald!

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Gnä Frau und das Aufwachen


Gelegentlich teilen sich die Gnä Frau und ich das Schlafzimmer,
nicht unbedingt das Bett, aber wir schlafen im selben Raum.
Sie unter, ich, auf dem Bett.

Ich pflege aufzuwachen, wenn mir danach ist.
Meistens immer zur selben Zeit. Zwischen fünf und sechs….
Die Gnä Frau steht auf, ich unterstelle das mal, wenn sie hungrig ist.
Und da entsteht ein Konflikt.

Ich bin meistens noch nicht so weit. Und das hat sie nicht gern.
Überhaupt nicht.
Von außen betrachtet ist es ziemlich spannend, zu sehen, welche Methoden die Gnä Frau ergreift, mich davon zu überzeugen, dass sie Hunger hat.
Nur von außen. Als Betroffener ist es etwas anstrengender. Nicht nur spannend.

Irgendwann wache ich auf. Irgendetwas zerreisst Papier unter mir.
Gnä Frau zerlegt ihren Schlafkarton.
Sie weiß, dass ich von so etwas aufwache. Deshalb macht sie es.
Sie kommt unter dem Bett hervor.
Springt auf das Bett, auf mich, über mich, zum Fenster.
Das auf mich springen ist wichtig. Ich könnte es sonst übersehen, dass sie schon wach ist. Und hungrig.

Sie schaut ein wenig aus dem Fenster. In Wirklichkeit beobachtet sie mich.
Wartet auf Zeichen des Aufstehens. Ich weigere mich. Noch.
Wenn es der Gnä Frau zu lange dauert, tritt Plan B in Kraft.
Unmittelbare Penetration.
Sie setzt sich neben mich. Starrt mich an und drückt mir aufs Augenlid, auf die Nase, auf den Mund. Abwechselnd.
Keine Chance. Das kann ich nicht ignorieren. Sie gewinnt immer.
Mit Druckstellen im Gesicht, keine Kratzspuren, sie lässt brav die Krallen drin, stehe ich auf.
Vermutlich gehören die Krallen zu Plan C. Soweit lasse ich es nie kommen. Besser nicht.

Gnä Frau weiß sich durchzusetzen.
Hätte sie Daumen, sie bräuchte mich nicht. So ist sie nur ein wenig von mir abhängig.

Ich bleibe immer ein wenig zu lang liegen.
Man muss es sie spüren lassen, wer hier der Herr im Haus ist.
Haha…

Gnä Frau und Papier


Ich freu mich immer für die Gnä Frau, wenn ein neues Ding ihre Aufmerksamkeit erregt und sie sich damit beschäftigt.

Das sie ein Faible für Kartons und Kunststoffe hat ist nichts neues.
Sie hat ihr Universum wieder um ein Material erweitert: Papier.

Gestern gab es Post in Form eines kleinen Kartons, zur Polsterung gefüllt, mit festem Packpapier.

Nicht ohne Hintergedanken hab‘ ich den Karton erst mal unter dem Wohnzimmertisch stehen lassen.
Mal sehen, wann die Neugier sie packt.
Und die Gnä Frau hat mich nicht lange warten lassen.

Sie mag ja Kartons, aber als sie bemerkte, dass dieser hier mit Papier angefüllt war, da war kein Halten mehr.
Als erstes zerrte sie einen Streifen heraus und legte sich, ach was sage ich, wälzte sich darauf herum.
Glück ist ein Streifen Papier. Eindeutig. Für Gnä Frau.
Der ist jetzt ihr neuer Schlafplatz.

Später dann, als der Rest auch begutachtet wurde, klemmte sie sich in den viel zu kleinen Karton. Kippte erst einmal gepflegt mit ihm um.
Entspannte sich dabei, mit den Hinterläufen im Rest des Kartonpapiers herum zu treten.
Wie üblich sehr sympathisch.

Ich richtete den Karton noch einmal auf.
Sie ließ sich nicht bitten, stieg brav noch einmal hinein und verharrte dann, so hoffe ich, zufrieden, in sitzender Pose.

Ich durfte sie ablichten. Wenn ich mich beeile.
Danke für die Geduld mit mir, Gnä Frau.

Gnä Frau Papier

Die Gnä Frau und das Wiedersehen


Wir waren getrennt.
Ich wollte, ich sage lieber, ich musste fort.
Weg. Für einige Tage.
Die Gnä Frau durfte an ihrem angestammten Platz bleiben.
Mein lieber Nachbar gab ihr Essen, Trinken und vielleicht ein Minimaß an Liebe.
Er hat selber zwei Katzen, aufmerksame LeserInnen wissen dass und er kann gut mit ihnen.

So war ich also für einige Tage weg, wissend darum, dass die Gnä Frau gut versorgt war.
Gestern Abend kam ich dann endlich heim.
Machte mich aufs ärgste gefasst.

Und wieder einmal erfüllte sie, Katze die sie ist, meine Erwartungen nicht.
Ich suchte nach Anzeichen der Verstimmung, des Beleidigt seins. Fand nichts.
Suchte nach Ignoranz und anderen Zeichen der Missgunst, wie soll ich sagen, das Haus war Fleck- Geruchs- und Verstimmungsfrei.
Dafür danke an dieser Stelle, wie auch im persönlichen Gespräch mit der Gnä Frau.

Sie war ein wenig aufgedreht. Das vielleicht.
Der Schwanz, wir erinnern uns, kleine feine Fast Siamkatze, die sie ist, der Schwanz hatte einen erheblichen Zuwachs an Durchmesser bekommen, hätte nun auch genügt, das Ofenrohr zu reinigen. Ich habe davon abgesehen.
Das Tempo, ja, das fiel mir auch auf, das Tempo, mit dem sie sich durch sie Wohnung bewegte: Bewegte ist vielleicht das falsche Wort, das Tempo in dem sie durch die Wohnung raste, bewaffnet mit dem Ofenrohrreinigerschwanz, war, ich nenne es mal, auffällig hoch.

Sie war aufgedreht, so kann man das nennen.
Kaum saß ich an meinem angestammten Sekretärsplatz, nahm sie unter mir in ihrem Rennfahrerkarton platz.
Hatte einen ihrer Einmachgummis hineinbugsiert und drehte sich nun, auf viel zu kleiner Fläche recht flott im Kreis. Auf der Jagd nach dem Gummi.

Stand ich auf, sprang sie mir hinterher, sprang mir in die Waden. Keine Bisse. Jawohl, so ist sie, die Gnä.

Später dann, vor dem Sofa, war nur geringste Überredungskunst notwendig, bis sie sich zu mir gesellte und wir den Abend, sie auf meinem Arm und dem vorhandenen Bauch liegend, gemeinsam verbrachten.
Es war schön, wieder zuhause zu sein.

Gnä Frau und ihr Lieblingsort


Die Lieblingsplätze der Gnä Frau.

Ich mag mein Sofa. Es ist neben dem Sekretär, an dem ich gerne sitze, denke und schreibe, mein Favorit. Mein Lieblingsplatz für alles, was keine Arbeit ist.
Wo ich verweile, sinniere, den Kontakt mit den Lieben pflege und gelegentlich (sic!) auch einschlafe.

Ich bin da ziemlich festgelegt, mit diesem Ort. Wüsste gar nicht, wo ich hin soll, so ich von ihm vertrieben werden sollte. Niemand vertreibt mich, so muss ich darüber nicht nachdenken.
Naja, wenn ich fliehe, dann vor Mücken, ein Gramm schwer und mörderisch.
Und wenn ich dann fliehe, dann ins Bett.
Müdigkeit ist aller Laste Ende.

Die Gnä Frau macht es sich da bedeutend schwerer.
Selten wird zur Flucht getrieben, sie treibt sich selbst.
Wechselt ihre Lieblingsorte in unvorhersehbarer Reihenfolge.

Da gibt es zum einen den schon erwähnten «Platz hinter dem Sofa».
Die, ebenfalls schon erwähnte Fototasche oder die orange Umhängetasche.

Gelegentlich verweilt sie auf meinem Bücherstapel, den Inhalt verschmäht sie gern, auf meinem Tisch oder seit neuestem, eingezwängt zwischen lärmenden Lautsprechertürmen,
auf abgehängten Bildern, die da aufgeschichtet sind.

Und als neues Highlight, ich bin ja so gut zu ihr, der neue Großraumkarton unter meinem Sekretär.
Den liebt sie, sitzt darin, wie eine Autofahrerin, die im Cabrio durch die Landschaft saust.
Gelegentlich springt sie, von was weiß ich gestochen, vermutlich einem Floh, aus dem Karton, beendet sozusagen ihre wilde Fahrt, einem Stuntgirl gleich, springt und sprintet zum nächsten Ort.

Der ist dann unter der Spüle.
Diese ist freistehend und hat unter ihr Platz für Papiertüten und Katzenfutter.
Klingt schlampig? Ein wenig ist es das auch, aber nur ein wenig. Alles für die Katze.

Papiertüten, groß, geräumig und raschelig erfreuen die Gnä Frau.
Sie kann, wenn die Tüte entsprechend unter der Spüle liegt, ich gebe mir da keine Mühe mehr, diese aufzuräumen, sie kann mit Vollgas hineinspringen.
Dann sitzt sie darin, vollkommen erstarrt, schaut vermutlich Löcher ins feste Papier.
Wenige Minuten später beginnt die Qual der Wahl des Lieblingsplatzes aufs Neue.
Sie hat es nicht leicht.

Es gibt Momente, da ist sie nicht so sehr getrieben. Ich habe noch keine Regel dafür aufstellen können. Wie auch? Sie ist Katze und nicht in Regelwerk zu zwängen.
In diesen Momenten dann besucht sie mich auf meinem gewöhnlichen Sofaplatz.
Das finde ich gut. Sie macht sich rar. Und deshalb ist sie um so willkommener.
«Hallo schöne Frau» murmel‘ ich dann und alles ist gut.

Winter und Weintrauben


Heute hat es geschneit.
Ich wünschte, ich würde mir das zusammenreimen, aber dem ist nicht so.
Ich werde nicht frieren, diverse Meter Holz vor dem Haus gewähren drinnen angenehme Temperaturen.
Drinnen, nicht draussen.

Das bedeutet, dass Gnä Frau den Abend nun häufiger bei oder sogar mit mir verbringen wird.
Sie mag kaltes Draussen nicht.
Die Gnä Frau hat aber nun mal, unabhängig des Ortes, an dem sie gerade am liebsten ist, einen ziemlichen Bewegungsdrang.

Und ich verschaffe ihr Weintrauben, damit sie sich Bewegung verschafft.
Das Haus, dass wir uns teilen, also, dass, in dem ich auch leben darf, hat eine offene Küche.
Praktisch für alle, mal abgesehen, von knoblauchschwangeren Gelagen, die noch etwas länger die Nase erfreuen.
Ein Vorteil ist, dass ich mitbekomme, wann es die Gnädige in die Küche zieht.
Ich sehe das recht gelassen, sie ist, was Mundraub angeht, Vegetarierin.
Sie stiehlt Weintrauben.
Weintrauben sind mein süßes Naschwerk, ich kann nicht durch die Küche gehen, ohne ein paar davon in den Mund zu schieben. Es liegen stets frische bereit.
Auch die Gnä Frau bedient sich gern daran. Immer nur eine, vorsichtig von den anderen abgetrennt, springt sie mit der einen wieder von der Anrichte.
An der Stelle bemerke ich den Diebstahl.
Sie liebt Weintrauben.
Freilich nicht zum Verzehr. Niemals.
Aber als eiernder Ballersatz taugen sie ganz hervorragend.
Ich verstehe das ganze Gesumms um Millionablösen für irgendwelche Halbstarken nicht.
Gnä Frau würde sie alle links liegen lassen, ihre Dribbelkünste brauchen keinen Vergleich zu scheuen. Sie ist die Meisterin der Traube.
Einem Derwisch gleich springt, wirbelt und rutscht sie durch die Räume, immer der Traube hinterher. Lässt sich fallen, schlägt Saltos in der Luft, überholt sich selbst, um sich dann wieder einzuholen, um die Traube ein weiteres mal von ihr weg zu kicken. Meisterlich.
Ich lächle, halte ein, was immer ich gerade tue und beobachte sie.
Sie verliert das kleine Ding nie aus dem Auge. Mit geradezu größtem Geschick versteht sie es, die Traube in die vertracktesten Stellen zu bugsieren, so dass es äußerst schwierig ist, sie wieder hervor zu frickeln. Einfach ist für andere. Sie liebt es kompliziert.
An einem Abend verbraucht sie zwei bis drei Trauben.
Meine Aufgabe ist es, mich am nächsten Tag auf die Suche zu machen.
In die ein oder andere laufe ich hinein, Bilder von Nacktschnecken unter meinen Füßen steigen empor. Ich entsorge sie schweigend, ganz Personal, dass ich bin.
Andere tauchen nach einiger Zeit in Rosinenform wieder auf.
Auch hier, die schweigende Prozedur der Entsorgung. Ich verstehe meinen Job.
Wichtiger als das Entsorgen, ist das Vorhalten stets frischer Weintrauben.
Ich mache das schon ganz gut.
Hoffe ich.

Trauben

Gnä Frau ignoriert


Gnä Frau ignoriert mich.

Das Los des Personals.
Man hat da zu sein, darf den Blick nicht erheben. Hauptsache man ist servil und ansonsten weitestgehend unauffällig.
Ich lärme und schmutze nur noch sehr eingeschränkt.
Der Gnädigen wär‘ das auch nicht so recht.

Im Zusammenleben zwischen Katze und Mensch muss jeder seine Position finden. Der mir angestammte Platz ist unter der Gnädigen. Das benötigt keiner Erwähnung. Ich erwähne es trotzdem. Mein kleiner Aufstand eben.
Sie ist gerade draussen unterwegs, da kann ich ein wenig auf dem Dach tanzen.
Auch ist sie an Geschriebenem nur mäßig interessiert. Kein Wunder, es ist mein Geschriebenes und wie wir wissen, sie ignoriert mich.

Gelegentlich keimt in mir der Wunsch nach ihrer Nähe auf. Ich kann sie nicht nur aus der Ferne verehren.
Dann werde ich lächerlich. Buhle um ihre Aufmerksamkeit. Mach‘ mich zum Deppen. Rufe Sie!
Sie ignoriert es, ganz die Dame, die sie ist.
Da gibt es dann ihrerseits auch kein Nachhaken. Sie ist wirklich groß.
Ich zu solchen Gelegenheiten, jämmerlich.

Sie ist die unnahbar Schöne, die nur in seltenen Momenten die Maske fallen lässt.
Ignoriert sie mich dermaßen, dass sie vergisst, dass ich im Raum bin, wenn sie, dem Wahnsinn nahe, Gummiringen, die sie selbst durch die Luft fliegen lässt, hinterher springt, Köpfe in viel zu kleine Kartons steckt und sie mit eleganten Hinterläufen traktiert?
Bin ich Luft?
Hört mir jemand zu?

Gnä Frau ignoriert
Gnä Frau ignoriert

Gnä Frau und das Schlafen


Es ist, wie schon beschrieben, das liebste Ding der Gnädigen.
Die bevorzugten Orte, wie ich, wechselnd.
Manchmal überschneiden wir uns, treffen uns wieder.
Nicht ganz am selben Ort, doch beinah.
Ich teile das Bett mit ihr. Den Karton unter dem Bett jedoch nicht.
Den liebt sie inniglich, ich weniger. Ihr zu groß, mir zu klein.

Das Sofa, entweder in meinem Arm (Privileg!), auf meinem Bauch (Weihnachten!) oder, mir den Rücken zukehrend(Was hab‘ ich getan?), am anderen Ende der weiten Sofaflur.

Das Sofa kann nicht ganz unter dem Fenster stehen, da ist ein Heizkörper.
Er schafft einen kleinen Spalt, eine handbreit weit.
Dort hab ich Decken, die bei mir in Ungnade gefallen sind, Muster, Stoff, was weiß ich, manchmal passt es nicht mehr, hineingestopft. Auf dem Sofa, in der Ecke, in der das Deckenparadis ist, hab ich andere, nicht in Ungnade gefallene Decken gestapelt.
So ist eine Höhle aus Spalt und Decken gebildet.

Die Gnä Frau liebt diesen Platz, kann dort in Sicherheit auf Decken schlummern, unentdeckt.
Manchmal treibt mich die Neugier, dann verschaffe ich mir einen Blick auf sie, wie sie da liegt und friedlich schläft.
Sie bemerkt es nicht, vielmehr, ordnet die Geräusche, die ich erzeuge ins Vertraute ein, schläft weiter. Eingerollt.

Sie kann auch den öffentlichen Schlaf zelebrieren.
Dann liegt sie auf einer meiner Taschen, neben dem Sekretär und lässt sich nicht durch Schritte, nicht durch laute Musik stören.
Gestern: Schlußakt Don Giovanni, kein Ohr, nicht mal ein Zucken und Mozart schont nicht die Pauken, die Streicher und Stimmen und ich, schone die Lautsprecher nicht. Privileg des abgelegenen Wohnens.
Ihr ist es gleich. Gnä Frau schläft.
Da lässt sie sich nicht beirren.
Gute Nacht. Schlaf‘ gut.

Gnä Frau schläft tief
Gnä Frau schläft tief

Perspektivenwechsel


In zappelnder Jagd durch Leere geweckt. Hunger.
«…Kein direkter Geruch am Schlafplatz, es muss im Oben sein…»
Das Oben, verschlossen, fremde Geräusche, fremde Gerüche.
«auf, auf auf, rein, rein, rein»
Unverständliches Gemurmel, rascheln… Noch einmal.
«Es ist so dumm, versteht es nicht…»
«auf, auf auf, rein, rein, rein»

Da, ein Spalt, Füße, vertrauter Geruch.
«Warum bleibt es nicht stehen, es braucht meinen Geruch.»
«Also, während es geht.»
«Im Unten ist Essen, runter, runter! Wo geht es hin?»
Wasser, Rauschen…
«Es versteht so schlecht, es denkt sooo langsam.»

Im Oben war noch jemand. Mit einem Satz ins Weich.
«Essen, Hunger, Jetzt, versteh‘ mich!»
«Es ist so dumm.»

Tiefe Stimme Es, geht ins Unten.
Wohlbehagen, Geruch von Essen, Hunger.
Satt. Sauber machen.

«Jagd! Will jagen! Spielen. Töten. Jetzt!»
ReinRaus öffnet sich.
«Gerüche! Laute! Grell. Viel! Schön! Frei!»
Laufen ins grüne Hoch. Sprung, sprung, sprung.
Beute, weich gibt laut. Springt fort. Hunger.

ReinRaus geschlossen.
«auf, auf auf, rein, rein, rein»
«Tiefe Stimme Es, auf!»

Ins Weich. Bilder. Jagd.

_
aus…

Es muss so sein.


Gnä Frau hält mich für dumm.
Das wird es sein, muss es sein.

Wieso auch sonst sollte sie mit immer gleich vorwurfsvollem Ton ins Haus kommen, wenn ich endlich, die Türe öffne, es waren Minuten, Minuten (!), die sie draußen warten musste.
Und außerdem sollte es jetzt etwas zu essen geben, da kann man doch nicht warten.

«Ja, das Essen ist vorbereitet.»
Sie läuft mir vor die Füße und hört nicht auf, es mit den ewig gleichen Lauten zu quittieren.
Ich kapier es nicht, ich bin dumm.

Tag für Tag, wenn wir uns in diesen Situationen über den Weg laufen, ich ihr also die Tür öffne, das Essen, frisch geöffnet, vorbereitet habe, wird das Ritual abgespult.

Sie schimpft, jammert, wenn sie könnte, sie würde die Pfoten über dem Kopf zusammenschlagen.

Gelegentlich, im Versuch es ihr Recht zu machen, variiere ich.
Versuche Neues.

Öffne die Tür und öffne erst dann das Essen.
Tausche die Marke der Mahlzeit gegen eine andere aus.
Versuche mir auszudenken, ob ich ihr eine Maus fangen soll. Und wie?
Warum gibt es kein Katzenfutter aus Maus?

Sie schimpft, jammert usw…
Und ich resigniere, lasse mich weiter bequengeln und
setze mein fehlerhaftes Ritual fort.
Mit schlechtem Gewissen.
Ich werde es nicht verstehen.