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Seraphina


Ein Trip in eine andere Stadt, ein paar Tage, in denen der Nachbar Gnä Frau versorgt.
Das eine Mal, das zu viel war.
Der Gedanke, dass das so nicht geht, das ich es ändern muss, das Gnä Frau so viel Einsamkeit bestimmt nicht mag und das es sicherlich nicht am Platz oder an den Möglichkeiten scheitert.
Die Entscheidung war schon vor diesen Gedanken gefallen, der Prozess nur Makulatur.

Die Suche war kurz, eine lächerliche Anzeige aus einem nahen Ort, die so verkehrt, so erbärmlich war, wie das Foto selbst.

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Die Kontaktaufnahme, kurz, freundlich aber doch irgendwie befremdlich und dann, einige Tage später, an einem Freitag, der kurze Trip, der Besuch, die schon längst gefallene Entscheidung, der kleine Katzenkorb und der letzte Blick zurück in das oberste Stockwerk; da standen sie, traurig und winkten und weg waren wir.

Nächster Zwischenstopp Tierarzt, unbesehen wollte ich sie nicht mit nach Hause nehmen, aber auch das war bis auf eine prägende Kleinigkeit ein Formalismus.
Einen Namen, den brauchte sie, für den Pass, die Unterlagen, um ganz zu werden.
Ein Blick in ihre Augen, die grünen, ängstlichen Augen und Seraphina war es und ist es.

Ruhe

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Ein seltsames Paar


Die Gnä Frau und ich sind ein seltsames, selten, eingespieltes Paar.
Wir leben in unausgesprochener Symbiose miteinander.

Können nicht miteinander kommunizieren, das in meinen Ohren zumeist sinnlose, bzw. fressorientierte Maunzen einmal aussen vor gelassen.

Teilen uns Raum, nie das Essen.
Ziehen manchmal in gleichmäßigen Bahnen die selben Wege, sind am selben Ort.
Gehe ich in den Garten, folgt sie, gehe ich hinein, gut, dann bleibt sie noch ein Weilchen draußen, folgt mittelbar, je nach Witterung schneller oder nicht.

Ich sitze hier, schreibe, sie sitzt vor mir, blickt ins Leere.
Sie könnte hinter mir sein, auf dem Esstisch gegenüber, ich habe es früh aufgegeben, sie von dem Tisch zu scheuchen, sinnlos, was weiß ich, was sie tut, wenn ich nicht da bin.
Sie sitzt vor mir, in meinem Blickfeld. Ich mag das.

Sie bleibt in meinem Blickfeld, gibt sich mir Preis.
Ein schöner Gedanke.
Ich mag gern glauben, dass sie wegen mir da sitzt, damit ich sie wahrnehme.
Obwohl es nur ihr Rücken ist, so gut wie nie die das Gesicht, nie die Augen.
Ich begnüge mich damit. Es ist gut so.

Sie kann so still sein, in ihrem Sitzen, ihren Blicken, die durch das Zimmer, zur offenen Terrassentür schweifen.
Von dort schallen die Klänge des Morgens herein, die Vögel, in ihrem nicht enden wollenden Gescherbel, die Rufe der Krähen, die sie bei ihrem morgendlichen Rundgang durch den Garten erblickt haben und ihre Geringschätzung lautstark verkünden.
Ich mag Krähen trotzdem. Bin ihnen wohlgesonnen, so wie der Gnä Frau.

Sie ist sich meiner bewusst. Gelegentlich, wenn ich meine Geräuschkulisse verändere, dreht sie ein Ohr in meine Richtung.
Wissend, dass ich zwar da bin, aber keine Bedrohung von mir ausgeht.
Dass ich immer der bin, zu dem sie sich wenden kann.
Sie immer Aufmerksamkeit, zwei mal am Tag etwas zu essen, frisches Wasser bekommt, sorgfältig räumlich von ihrem Essplatz getrennt.

Ich weiß nicht, ob ich gut für sie bin, gut genug zu bleiben wohl.
Ob es Bequemlichkeit oder ein klein wenig Zuneigung ist, die sie hier bleiben lässt.
Während ich das schreibe, gesellt sie sich zu mir.
Ich nehme das als gutes Zeichen.
Danke dafür.

Gnä Frau sw

Gnä Frau und die Genesung


Gnä Frau hatte einen Durchhänger, keine Sorge, es ist vorüber und darüber berichte ich hier.

Gnä Frau hatte einen dicken Unterkiefer, gewissermaßen wie eine alte Dame mit Doppel- oder Dreifachkinn.

Sie aß, sie trank, war aber dennoch merklich gebremst.
Mit Argusaugen beobachtete ich am Abend, als mir ihr Aussehen schon von Ferne befremdlich schien, jeden Schritt.

Erbärmlich sah sie aus.
Nicht schön anzusehen.
Kein Zustand von Dauer, wenn es nach mir ging.

Am nächsten Tag, ein früher Nachmittag, ich ging früh aus dem Büro, sammelte ich sie ein, ganz Dame ließ sie sich in ihren Korb setzen, ohne Anstalten, diesen wieder fluchtartig verlassen zu wollen.

Der Weg zum Wagen, die Fahrt, länger als ihr lieb war, dennoch, unter leisem Maunzen ertragen.

Mein Tierarzt, ein lieber Mensch, der mir immer den Eindruck vermittelt, dass er mit Tieren nicht nur sein Geld verdient, sondern sie auch mag und ihnen helfen will.
Nach kurzem Warten und kurzer Beschreibung der Symptome nahm er sie in Augenschein, diagnostizierte harmloses und versprach Besserung.
Und Gnä Frau eine Spritze.
Sie ertrug es scheppernd, ich hielt sie, sie tat mir leid, aber im Gegensatz zu mir, macht sie beim Arzt kein Drama.
Kein Fauchen, kein sich Wehren.
Vielleicht ahnt sie ja ein wenig, das geholfen werden soll.

Tabletten für die kommenden Tage, zu den Mahlzeiten und die Schwellung sollte schnell verschwinden.

Das tat sie auch, war am nächsten Morgen beinahe und am Abend ganz zurückgegangen.
Gnä Frau bekam ihre Tabletten, versenkt in Sauce.
Und war in Tagesfrist wieder die alte, sprang herum, agil, aufgedreht, überdreht.

Ich bewundere die kleinen Wesen.
Nicht selten habe ich gestaunt, wie Katzen nach Eingriffen in kürzester Zeit, ganz voll mit zähem Überlebenswillen um Kontrolle ringen, nicht klein beigeben wollen und die Oberhand zurückgewinnen.

Ich bewundere sie nicht wenig dafür.
Gnä Frau geht es gut und nichts weniger soll sein.

Die Gnä Frau und das Wiedersehen


Wir waren getrennt.
Ich wollte, ich sage lieber, ich musste fort.
Weg. Für einige Tage.
Die Gnä Frau durfte an ihrem angestammten Platz bleiben.
Mein lieber Nachbar gab ihr Essen, Trinken und vielleicht ein Minimaß an Liebe.
Er hat selber zwei Katzen, aufmerksame LeserInnen wissen dass und er kann gut mit ihnen.

So war ich also für einige Tage weg, wissend darum, dass die Gnä Frau gut versorgt war.
Gestern Abend kam ich dann endlich heim.
Machte mich aufs ärgste gefasst.

Und wieder einmal erfüllte sie, Katze die sie ist, meine Erwartungen nicht.
Ich suchte nach Anzeichen der Verstimmung, des Beleidigt seins. Fand nichts.
Suchte nach Ignoranz und anderen Zeichen der Missgunst, wie soll ich sagen, das Haus war Fleck- Geruchs- und Verstimmungsfrei.
Dafür danke an dieser Stelle, wie auch im persönlichen Gespräch mit der Gnä Frau.

Sie war ein wenig aufgedreht. Das vielleicht.
Der Schwanz, wir erinnern uns, kleine feine Fast Siamkatze, die sie ist, der Schwanz hatte einen erheblichen Zuwachs an Durchmesser bekommen, hätte nun auch genügt, das Ofenrohr zu reinigen. Ich habe davon abgesehen.
Das Tempo, ja, das fiel mir auch auf, das Tempo, mit dem sie sich durch sie Wohnung bewegte: Bewegte ist vielleicht das falsche Wort, das Tempo in dem sie durch die Wohnung raste, bewaffnet mit dem Ofenrohrreinigerschwanz, war, ich nenne es mal, auffällig hoch.

Sie war aufgedreht, so kann man das nennen.
Kaum saß ich an meinem angestammten Sekretärsplatz, nahm sie unter mir in ihrem Rennfahrerkarton platz.
Hatte einen ihrer Einmachgummis hineinbugsiert und drehte sich nun, auf viel zu kleiner Fläche recht flott im Kreis. Auf der Jagd nach dem Gummi.

Stand ich auf, sprang sie mir hinterher, sprang mir in die Waden. Keine Bisse. Jawohl, so ist sie, die Gnä.

Später dann, vor dem Sofa, war nur geringste Überredungskunst notwendig, bis sie sich zu mir gesellte und wir den Abend, sie auf meinem Arm und dem vorhandenen Bauch liegend, gemeinsam verbrachten.
Es war schön, wieder zuhause zu sein.

Der kleine Unterschied


Der Unterschied zwischen Hund und Katze

Der Hund denkt sich: Mein Herrchen gibt mir immer Futter, wenn ich will,
er geht mit mir Gassi, er streichelt mich, er verwöhnt mich.
Ich glaube mein Herrchen ist Gott!

Die Katze denkt sich:
Ich bekomme immer Futter, wenn ich will,
ich werde verwöhnt wann ich will,
ich kann machen was ich will.
Ich glaube ich bin Gott!

Weltbilder sind manchmal so einfach.
Ich kann dem nichts hinzufügen.

Chefin

Die große Katze


Gerade eben kommt Gnä Frau aus der Küche, hat ihr zweites Frühstück eingenommen und sucht sich ein Plätzchen für die Reinigung, das Verdauen und den Schlaf.

Wenn ich ihr zusehe, wie sie da um die Ecke kommt, vollkommen gelassen, gerade vom Jagd-, Spiel- und Fresstrieb befreit, ohne Hektik, so stelle ich mir vor, sie wäre fünf mal so groß.

Die Bewegungen, das Spiel der Schultern beim Gehen, das Wiegen des Rückens, wenn sie so vollkommen entspannt durch ihr Reich schlendert. Dieses Spiel ihres Körpers ist perfekt in der Bewegung. Absolut.

Ich habe es schon so oft gesehen und dann bin ich wieder hoch beeindruckt, wie schön wahre Eleganz aussehen kann.

Vor einigen Tagen war auf arte eine Dokumentation zu sehen, „Der Löwenflüsterer“.
Ich muss gestehen, ich habe nur die Bilder laufen lassen, war mit Musikhören und Anderem beschäftigt. Die Bilder jedoch waren beeindruckend.
Da hat jemand Umgang mit Löwen und Löwinnen, ausgewachsenen, irrwitzig großen Katzen.
Macht das selbe mit ihnen, was ich gelegentlich Gnä Frau zukommen lasse.
Krault sie am Hals, auf dem Schädel.

Das Schöne an der Dokumentation waren die Momente, in denen die großen Katzen wie Kleine waren.
Da ist dann kein Unterschied zu sehen.
Ob sie nun in der Savanne unter einem Baum nach Schatten und Ruhe suchen oder bei mir ein wenig Verdauungsschlaf unter dem Wohnzimmertisch. Es sind Katzen.

Nur im Streit und Spiel unter sich, ist der Unterschied wahrnehmbar.
Es gab in der Dokumentation eine Szene, in der zwei junge Löwen kämpfen.
Ich denke, es war ernst. Die Wucht der Prankenhiebe, das unvorstellbare Tempo des Schlages.
All‘ die Kraft. Ich sah‘ Knochen bersten. Meine…

Der Protagonist war in der Szene nicht im Bild. Ich denke, so weit geht Freundschaft und Wahnsinn dann doch nicht.

arte wiederholt die Sendungen, es sind zwei Teile,
So 6.10. 09:35 – Der Löwenflüsterer – Der große Start
So 6.10. 10:20 – Der Löwenflüsterer – Ein neuer Lebensraum
Und noch einmal am 13.10. und 14.10.

Gezeigt werden schöne Bilder über große Katzen, die zeigen, wie nahe unsere kleinen Katzen mit ihnen verwandt sind.
Ein Narr, wer das nicht ernst nimmt.
So weich und schön sie sind, es sind Killer, die stets lauern und das Signal zur Jagd stets vernehmen. Und jagen.
Wenn sie nicht gerade schlafen…

Rast am Morgen
Rast am Morgen