Ein seltsames Paar


Die Gnä Frau und ich sind ein seltsames, selten, eingespieltes Paar.
Wir leben in unausgesprochener Symbiose miteinander.

Können nicht miteinander kommunizieren, das in meinen Ohren zumeist sinnlose, bzw. fressorientierte Maunzen einmal aussen vor gelassen.

Teilen uns Raum, nie das Essen.
Ziehen manchmal in gleichmäßigen Bahnen die selben Wege, sind am selben Ort.
Gehe ich in den Garten, folgt sie, gehe ich hinein, gut, dann bleibt sie noch ein Weilchen draußen, folgt mittelbar, je nach Witterung schneller oder nicht.

Ich sitze hier, schreibe, sie sitzt vor mir, blickt ins Leere.
Sie könnte hinter mir sein, auf dem Esstisch gegenüber, ich habe es früh aufgegeben, sie von dem Tisch zu scheuchen, sinnlos, was weiß ich, was sie tut, wenn ich nicht da bin.
Sie sitzt vor mir, in meinem Blickfeld. Ich mag das.

Sie bleibt in meinem Blickfeld, gibt sich mir Preis.
Ein schöner Gedanke.
Ich mag gern glauben, dass sie wegen mir da sitzt, damit ich sie wahrnehme.
Obwohl es nur ihr Rücken ist, so gut wie nie die das Gesicht, nie die Augen.
Ich begnüge mich damit. Es ist gut so.

Sie kann so still sein, in ihrem Sitzen, ihren Blicken, die durch das Zimmer, zur offenen Terrassentür schweifen.
Von dort schallen die Klänge des Morgens herein, die Vögel, in ihrem nicht enden wollenden Gescherbel, die Rufe der Krähen, die sie bei ihrem morgendlichen Rundgang durch den Garten erblickt haben und ihre Geringschätzung lautstark verkünden.
Ich mag Krähen trotzdem. Bin ihnen wohlgesonnen, so wie der Gnä Frau.

Sie ist sich meiner bewusst. Gelegentlich, wenn ich meine Geräuschkulisse verändere, dreht sie ein Ohr in meine Richtung.
Wissend, dass ich zwar da bin, aber keine Bedrohung von mir ausgeht.
Dass ich immer der bin, zu dem sie sich wenden kann.
Sie immer Aufmerksamkeit, zwei mal am Tag etwas zu essen, frisches Wasser bekommt, sorgfältig räumlich von ihrem Essplatz getrennt.

Ich weiß nicht, ob ich gut für sie bin, gut genug zu bleiben wohl.
Ob es Bequemlichkeit oder ein klein wenig Zuneigung ist, die sie hier bleiben lässt.
Während ich das schreibe, gesellt sie sich zu mir.
Ich nehme das als gutes Zeichen.
Danke dafür.

Gnä Frau sw

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4 Kommentare zu „Ein seltsames Paar“

  1. Ach, wie schöööön!
    Das Foto ist der Wahnsinn, sie ist so wunderschön!
    Dazu fällt mir ganz spontan etwas ein.
    Ѧαяʏ Є. Ɯιℓκιиƨ Ғяɛɛмαи schrieb:
    „Katzen lieben Menschen viel mehr als sie zugeben wollen,
    aber sie besitzen soviel Klugheit, dass sie es für sich behalten!“
    Ich glaube, dass genau dieses Verhalten, diese Wesen so interessant für uns macht, weil es so unnahbar und unergründlich ist und doch so anschmiegsam.
    Eine Mischung, die in diesem kleinen, pelzigen Geschöpf so mächtig wirkt, dass wir uns dazu hingezogen fühlen.

    1. Es ist die Aura des Geheimnisvollen, die sie so spannend macht. Das und ihr unbändiger Eigensinn.
      Ich frage mich gelegentlich, wie eine Beziehung zu einem Menschen wäre, wenn dieser das Verhalten einer Katze hätte..
      Darüber lohnt es sich einmal ausführlicher nachzudenken.

Ich freue mich auf einen Kommentar!

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