Gnä Frau und die Genesung


Gnä Frau hatte einen Durchhänger, keine Sorge, es ist vorüber und darüber berichte ich hier.

Gnä Frau hatte einen dicken Unterkiefer, gewissermaßen wie eine alte Dame mit Doppel- oder Dreifachkinn.

Sie aß, sie trank, war aber dennoch merklich gebremst.
Mit Argusaugen beobachtete ich am Abend, als mir ihr Aussehen schon von Ferne befremdlich schien, jeden Schritt.

Erbärmlich sah sie aus.
Nicht schön anzusehen.
Kein Zustand von Dauer, wenn es nach mir ging.

Am nächsten Tag, ein früher Nachmittag, ich ging früh aus dem Büro, sammelte ich sie ein, ganz Dame ließ sie sich in ihren Korb setzen, ohne Anstalten, diesen wieder fluchtartig verlassen zu wollen.

Der Weg zum Wagen, die Fahrt, länger als ihr lieb war, dennoch, unter leisem Maunzen ertragen.

Mein Tierarzt, ein lieber Mensch, der mir immer den Eindruck vermittelt, dass er mit Tieren nicht nur sein Geld verdient, sondern sie auch mag und ihnen helfen will.
Nach kurzem Warten und kurzer Beschreibung der Symptome nahm er sie in Augenschein, diagnostizierte harmloses und versprach Besserung.
Und Gnä Frau eine Spritze.
Sie ertrug es scheppernd, ich hielt sie, sie tat mir leid, aber im Gegensatz zu mir, macht sie beim Arzt kein Drama.
Kein Fauchen, kein sich Wehren.
Vielleicht ahnt sie ja ein wenig, das geholfen werden soll.

Tabletten für die kommenden Tage, zu den Mahlzeiten und die Schwellung sollte schnell verschwinden.

Das tat sie auch, war am nächsten Morgen beinahe und am Abend ganz zurückgegangen.
Gnä Frau bekam ihre Tabletten, versenkt in Sauce.
Und war in Tagesfrist wieder die alte, sprang herum, agil, aufgedreht, überdreht.

Ich bewundere die kleinen Wesen.
Nicht selten habe ich gestaunt, wie Katzen nach Eingriffen in kürzester Zeit, ganz voll mit zähem Überlebenswillen um Kontrolle ringen, nicht klein beigeben wollen und die Oberhand zurückgewinnen.

Ich bewundere sie nicht wenig dafür.
Gnä Frau geht es gut und nichts weniger soll sein.

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13 Kommentare zu „Gnä Frau und die Genesung“

  1. Oh, das liest sich wunderbar! Die Hofkatzen im Gehöft an der Biegung des Flußes beweisen auch immer wieder ihre Siebenlebigkeit. Und unser Zugehkater nimmts mit den hiesigen Waschbären auf. Mir ist jedesmal unglaublich bange, wenn ich von Kampfgeräuschen nächtens hochschieße. Und dann sehe ich ihn morgens, bollestolz zerzaust durch den Garten marschieren.
    Beschmusen Sie bitte Gnä’Frau von mir und flüstern Sie Tapferesmädchen in’s Feinohr. Mit herzlichen Grüßen, Ihre Frau Knobloch.

    1. Von Feinohr ist da kaum noch was übrig.
      Streifenohr trifft es eher.
      Die nachbarschaftliche Liebe hält sich in Grenzen, spürbaren Grenzen.

      1. Für Sie ist Zurückhaltung eine einfache Übung? Nur in diesem Streifenfeinstohrbeflüsterungsfalle, oder generell? Ich dachte bisher, Sie wären sehr impulsiv….

      2. In diesem Fall eine einfache Übung, ansonsten versage ich da gänzlich.
        Impuls muss raus, sonst Implosion. So in der Art.
        Mit Ausnahmen.
        Seltenen.

      3. Implosionen sind in ihrer Gefährlichkeit arg unterschätzt. Lieber pulsieren und raus damit. Das läßt sich einfacher abhaken. Was ja enorm wichtig ist.
        Ich möchte mich noch für meine Mangelhaftarchivarinnentätigkeit pardöngschisieren, immo rennt mir die Zeit über sämtliche Harzklippen.

      4. Kein Grund für Pardon.
        Ich geize dafür, mangels Inspiration mit neuen Texten.
        So gleicht es sich aus.

        Hier gibt’s keine Pflichten, also gehen Sie’s mal ruhig an.
        Außerdem freu ich mich über jede Wortmeldung von Ihnen.

      5. Wer wüßte es besser als ich, daß Ihre Texte mehrfach lesenswert. Derley Überbrückung bei Inspirationsmangel ist sehr empfehlenswert. Das zeigt sich ja auch bei der geschätzten Frau Bukowski. Manche Texte liest man plötzlich andersäugig.
        Und nie wird mir Wortjonglierleserey eine Pflicht, im Gegenteil, mich dauert manchmal die fehlende Zeit. Über Ihre Freude hingegen, über die freue wiederum ich mich. Sehrst.

  2. Man mag mich für verrückt halten, aber irgendwie wusste ich das sie krank war. Genau genommen, finde ich es selber gruselig!
    Schön das es der Gnädigen wieder gut geht!
    Man, diese Augen bringen einen um den Verstand!
    Hast du da nicht regelmäßig ein Kribbeln im Bauch?

Ich freue mich auf einen Kommentar!

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