Die Gnä Frau und das Wiedersehen


Wir waren getrennt.
Ich wollte, ich sage lieber, ich musste fort.
Weg. Für einige Tage.
Die Gnä Frau durfte an ihrem angestammten Platz bleiben.
Mein lieber Nachbar gab ihr Essen, Trinken und vielleicht ein Minimaß an Liebe.
Er hat selber zwei Katzen, aufmerksame LeserInnen wissen dass und er kann gut mit ihnen.

So war ich also für einige Tage weg, wissend darum, dass die Gnä Frau gut versorgt war.
Gestern Abend kam ich dann endlich heim.
Machte mich aufs ärgste gefasst.

Und wieder einmal erfüllte sie, Katze die sie ist, meine Erwartungen nicht.
Ich suchte nach Anzeichen der Verstimmung, des Beleidigt seins. Fand nichts.
Suchte nach Ignoranz und anderen Zeichen der Missgunst, wie soll ich sagen, das Haus war Fleck- Geruchs- und Verstimmungsfrei.
Dafür danke an dieser Stelle, wie auch im persönlichen Gespräch mit der Gnä Frau.

Sie war ein wenig aufgedreht. Das vielleicht.
Der Schwanz, wir erinnern uns, kleine feine Fast Siamkatze, die sie ist, der Schwanz hatte einen erheblichen Zuwachs an Durchmesser bekommen, hätte nun auch genügt, das Ofenrohr zu reinigen. Ich habe davon abgesehen.
Das Tempo, ja, das fiel mir auch auf, das Tempo, mit dem sie sich durch sie Wohnung bewegte: Bewegte ist vielleicht das falsche Wort, das Tempo in dem sie durch die Wohnung raste, bewaffnet mit dem Ofenrohrreinigerschwanz, war, ich nenne es mal, auffällig hoch.

Sie war aufgedreht, so kann man das nennen.
Kaum saß ich an meinem angestammten Sekretärsplatz, nahm sie unter mir in ihrem Rennfahrerkarton platz.
Hatte einen ihrer Einmachgummis hineinbugsiert und drehte sich nun, auf viel zu kleiner Fläche recht flott im Kreis. Auf der Jagd nach dem Gummi.

Stand ich auf, sprang sie mir hinterher, sprang mir in die Waden. Keine Bisse. Jawohl, so ist sie, die Gnä.

Später dann, vor dem Sofa, war nur geringste Überredungskunst notwendig, bis sie sich zu mir gesellte und wir den Abend, sie auf meinem Arm und dem vorhandenen Bauch liegend, gemeinsam verbrachten.
Es war schön, wieder zuhause zu sein.

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Ein Gedanke zu „Die Gnä Frau und das Wiedersehen“

  1. Katzen sind mir ein solches Rätsel…
    Früher wurden mir von Kater Moritz schon nach nur einem ausser der Reihe anderweitig verbrachten Tag die Leviten gelesen – und das trotz aller Bemühungen, ihm den Tag so angenehm wie möglich zu gestalten… Ganz ergeben musste ich seine Tiraden über mich ergehen lassen, dann war er wieder gut mit mir. Meine drei Mietzimädels heute sind weitaus nachsichtiger – aber wenn ich zurückkehre, warten sie auf mich – absolut zuverlässig! Und dann frage ich mich mit schlechtem Gewissen, ob sie wohl den ganzen Tag wartend verbracht haben…

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