Gnä Frau und ihr Lieblingsort


Die Lieblingsplätze der Gnä Frau.

Ich mag mein Sofa. Es ist neben dem Sekretär, an dem ich gerne sitze, denke und schreibe, mein Favorit. Mein Lieblingsplatz für alles, was keine Arbeit ist.
Wo ich verweile, sinniere, den Kontakt mit den Lieben pflege und gelegentlich (sic!) auch einschlafe.

Ich bin da ziemlich festgelegt, mit diesem Ort. Wüsste gar nicht, wo ich hin soll, so ich von ihm vertrieben werden sollte. Niemand vertreibt mich, so muss ich darüber nicht nachdenken.
Naja, wenn ich fliehe, dann vor Mücken, ein Gramm schwer und mörderisch.
Und wenn ich dann fliehe, dann ins Bett.
Müdigkeit ist aller Laste Ende.

Die Gnä Frau macht es sich da bedeutend schwerer.
Selten wird zur Flucht getrieben, sie treibt sich selbst.
Wechselt ihre Lieblingsorte in unvorhersehbarer Reihenfolge.

Da gibt es zum einen den schon erwähnten «Platz hinter dem Sofa».
Die, ebenfalls schon erwähnte Fototasche oder die orange Umhängetasche.

Gelegentlich verweilt sie auf meinem Bücherstapel, den Inhalt verschmäht sie gern, auf meinem Tisch oder seit neuestem, eingezwängt zwischen lärmenden Lautsprechertürmen,
auf abgehängten Bildern, die da aufgeschichtet sind.

Und als neues Highlight, ich bin ja so gut zu ihr, der neue Großraumkarton unter meinem Sekretär.
Den liebt sie, sitzt darin, wie eine Autofahrerin, die im Cabrio durch die Landschaft saust.
Gelegentlich springt sie, von was weiß ich gestochen, vermutlich einem Floh, aus dem Karton, beendet sozusagen ihre wilde Fahrt, einem Stuntgirl gleich, springt und sprintet zum nächsten Ort.

Der ist dann unter der Spüle.
Diese ist freistehend und hat unter ihr Platz für Papiertüten und Katzenfutter.
Klingt schlampig? Ein wenig ist es das auch, aber nur ein wenig. Alles für die Katze.

Papiertüten, groß, geräumig und raschelig erfreuen die Gnä Frau.
Sie kann, wenn die Tüte entsprechend unter der Spüle liegt, ich gebe mir da keine Mühe mehr, diese aufzuräumen, sie kann mit Vollgas hineinspringen.
Dann sitzt sie darin, vollkommen erstarrt, schaut vermutlich Löcher ins feste Papier.
Wenige Minuten später beginnt die Qual der Wahl des Lieblingsplatzes aufs Neue.
Sie hat es nicht leicht.

Es gibt Momente, da ist sie nicht so sehr getrieben. Ich habe noch keine Regel dafür aufstellen können. Wie auch? Sie ist Katze und nicht in Regelwerk zu zwängen.
In diesen Momenten dann besucht sie mich auf meinem gewöhnlichen Sofaplatz.
Das finde ich gut. Sie macht sich rar. Und deshalb ist sie um so willkommener.
«Hallo schöne Frau» murmel‘ ich dann und alles ist gut.

Werbeanzeigen

3 Kommentare zu „Gnä Frau und ihr Lieblingsort“

  1. Es ist immer wieder so herrlich zu beobachten, dass man unter wildfremden Menschen,
    so liebenswerte Gemeinsamkeiten findet!
    Du sagst zu ihr: „Hallo, schöne Frau“
    Zu Mr.Manson sage ich: „Mein schöner Mann“ und zu Lady Ophelya „Meine Wunderschöne“.
    So habe ich auch schon sehr oft gehört, dass gerade Katzenbesitzer, für den Namen der Katze, einen liebevollen „Sing-Sang“ verwenden.
    Was die Lieblingspläze betrifft, ist es immer wieder ein Erlebnis zu beobachten, in wellch kuriosen Stellungen und Orten, es sich eine Katze bequem machen kann.
    Manchmal tut es das Balt Papier oder gar ein Stück dessen, dass gerade die Forderpfoten darauf Plaz finden ^^.
    …einfach wundervoll!

Ich freue mich auf einen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s