Gnä Frau und das Trinken


Ich trinke gern.
Morgens mehr Kaffee als mir gut tut, nachmittags auch, abends nicht.
Zwischendrin Wasser und Abends, ein Glas, eine Flasche Wein. Je nach dem.

Irgendjemand meinte einmal, Durst zu verspüren wäre schon ein sicheres Zeichen für fast einen Liter zu wenig Flüssigkeit im Körper.
Gut, ich verspüre selten Durst und wenn, dann zu den unpassendsten Gelegenheiten.
Immer dann, wenn nichts zu trinken greifbar ist, zum Beispiel.

Gnä Frau trinkt nie.
Nicht, wenn ich zugegen bin.
Nicht, wenn ich ihr im Verborgenen auflauere und versuche, sie beim Trinken zu beobachten.
Nicht, wenn ich nicht hinschaue und auch nicht, wenn ich hinschaue.
Ich habe eine kleine Webcam, die auf Bewegung reagiert, auf den Platz gerichtet, an dem ich serviere und an dem stets etwas zu Trinken bereitsteht.
Es gibt endlose Aufzeichnungen vom Verzehr. Nicht vom Trinken.
Aus Angst, sie mag es nicht, dabei gefilmt zu werden und dass sie demnach bald verdursten wird, habe ich die Kamera wieder abgebaut und meinen Beobachtungsposten in der Spüle erneut bezogen.

Stunden später und endlose Entrenkungen meiner selbst später muss ich resigniert gestehen:
Sie trinkt nicht.

Mir ist nicht klar, wie sie das macht.
Vielleicht ist es ihr Glaube.
Wo kommen Siam und Halbsiamkatzen eigentlich ursprünglich her?
Gibt es in ihrer Heimatregion Glaubensrichtungen, die in extremer Enthaltsamkeit praktiziert werden?
Habe ich da eine Bildungslücke?

Ich habe beschlossen, dass mir der Umstand ihrer Getränkeverweigerung keine Sorgen macht.
Gnä Frau raschelt nicht und die tägliche Fellpflege gelingt ihr ohne zu Husten.
Sie scheint nicht auszutrocknen.
Gut.
Sie wird auf ihren Streifzügen irgendwo einkehren. So wird es sein. Sich hemmungslos besaufen und dann nach Hause wanken.
Haben Katzen einen Kater?

14 Kommentare zu „Gnä Frau und das Trinken“

  1. Sie zieht den Großteil ihres Flüssigkeitsbedarfs aus der Nahrung, Wüstenkind, das sie ist… Und du weißt ja, wie das in den Wüstenstaaten ist – das öffentliche Saufen ist eine heikle Sache… 😉
    Gib einfach einen Schuß Wasser übers Futter, dann kann sie heimlich trinken. Oder mach ihr aus dem Trinken ein Event – verteile an versteckten Stellen Wasserschälchen im Haus wie Wasserlöcher in der Savanne. Dann wird sie nach dem Fressen zum Wasserloch pilgern und braucht nicht mehr auswärts einzukehren.

    1. Gnä Frau und ich haben uns darauf verständigt, dass ich ihr frisches Wasser bereitstelle, es wegschütte und erneuere.
      Ich schütt‘ ihr mal ein wenig übers Nassfutter.
      Das wäre mal interessant zu beobachten 🙂

      schönen Sonntag!

  2. Mein Kater liebt Katzenfutter in Sauce, die schleckert er erst ab, bevor die festen Stückchen gefressen werden. Das ist dann auch schon mal etwas Flüssigkeit. Ich stelle immer lauwarme Milch hin mit Wasser verdünnt, etwa halb, halb. Das liebt er und schleckert genüsslich, vor allem solange es noch lauwarm ist. Manchmal hab ich ihn auch draußen beobachtet, wie er aus Pfützen trinkt.
    Soweit ich weiß trinken Katzen aber auch nicht so viel und wie von Christina geschrieben nehmen sie tatsächlich viel über die Nahrung auf. Ich denke, solange Gnä Frau quitschvergnügt ist und ein glänzendes Fell hat, brauchst du dir keine Sorgen zu machen.

    Liebe Grüße
    Ariana

    1. Das hat mein Kater auch gemacht, Gnä Frau isst da pragamatischer. Sie isst auf. Alles, restlos, ohne Gier, aber gründlich.
      Ab und an, gestehe ich mal, beobachte ich sie beim Draussen aus der Wanne trinken. Regenwasser ist ihr lieber, so schneit es mir…
      schönen Sonntag
      Oliver

  3. Meine beiden trinken auch nicht.
    Es sei denn sie erwischen jemanden im Bad, der grad den Wasserhahn öffnet, oder der Toilettendeckel ist nicht unten, da trinken sie auch,..

    Die Wasserschüsseln schütte ich genauso weg, wie ich sie hinstelle.
    Und sie stehen nicht neben dem Fressen, das soll man nicht tun, weil trinken und Essen für Katzen etwas völlig anderes ist.
    Liebe Grüße an die Gnä Frau!

      1. spannende Aufgabenstellung: Da Katzen nie tun, was man von ihnen erwartet, müsste ich so handeln, dass es ihr wie eine schlechte Idee vorkommt.. Dann würde sie trinken, mir zum Trotz. Hmmm… wie stell‘ ich das an..

  4. Als aller erstes 【。゚+.нёllо。゚+.】
    (das vergesse ich nämlich gerne, wenn ich so beeindruckt bin, wie JETZT gerade!)
    Etwas liebevolleres, zutreffenderes und hingebungsvolleres habe ich noch nie über Katzen gelesen.
    O.M.C. (Oh my Cat) da fällt mir fast der Kitt aus der Brille!
    Danke, das du meinem Blog folgst, sonst wären mir diese bezaubernden Zeilen, vielleicht nie
    vergönnt gewesen?
    In so vielem erkenne ich mich wieder (natürlich) doch deine Art, die Geschehnisse zu schreiben…
    Hach, jetzt bin ich in meine zwei „Schweine-Küken“ gleich wieder noch mehr verliebt ♥
    Hab alle Einträge verschlungen, konnte gar nicht so schnell lesen wie ich wollte ^^
    Und Gnä Frau ist sooo wunderhübsch – Schmelz!
    In diesen Augen kann man sich verlieren oder sich mit Kniescheiben schützen ^^
    Am schönsten fand ich die Stelle oder eine der schönsten:

    „Ich habe das ignoriert, Gnä Frau ignoriert es auch. Wir haben unser “zur Tür Reinkomm” Ritual, sie wirft mir etwas lautstark vor, ich verstehe es nicht und leben dann weiter zusammen.
    Das ist so im Wesentlichen alles, was sie mir mitteilen möchte.
    Schnurrt sie, so nehme ich das als Aufforderung das weiter zu tun, was ich gerade tue.
    Und wenn mir der Arm dabei abfällt, auf dem sie gerade liegt.“

    Wenn ich abends, meinen Sohn (3) zu Bett bringe, steht „das Mäh-Mäh“ (von das Mädchen) schon
    im Türrahmen.
    Der erste Blickkontackt…und dann gehts los: „Mach doch mal vorran, wie lange kann denn sowas Dauern? Haaaallooo, PERSONAHHHAL!? Me Lady und Seine Lordschaft dünkt es beköstigt zu werden, AUF AUF!“
    Dabei ist es wichtig zu wissen, Me Lady „Miaut“ nicht – Sie kräht – wie eine Krähe!
    Manchmal bin ich mir unsicher, ob draußen die Vögel krächzen oder „Ihre Verhuschtheit“ kräht ◠‿◠ϡ
    Seine Lordschaft, ein stattlicher Kater, der der Größe nach zu Urteilen, wohl ein Hund werden sollte,
    entscheidet selber wann er essen möchte.
    Wie aus dem Nichts, sitzt er plötzlich in irgendeiner Ecke und starrt mich an, ich spühre diesen Blick.
    Sobald ich ihn ansehe, springt er auf und von da an gibts kein Halten mehr!
    Würde ich versuchen ihn zu ignorieren, würde er allmählich, die Bilder auf dem Sekretär entsorgen oder
    auf der Gitarre spielen, die an der Wand lehnt – starren Blickes auf mich gerichtet.
    All diese Besonderheiten, Verrücktheiten sind sooooo liebenswert.
    Die Art sich mitteilen, wieviel Geduld sie mit uns haben, könnte sie unentwegt beobachten.
    Jeden Tag sehe ich etwas neues bezauberndes, jeden Tag sind sie noch schöner als am Tag zuvor.
    Schööööön, das Du das auch so empfindest (*´∀`*)ノ
    „Katzenmenschen“ sind schon irgendwie anders, findest du nicht?
    Klar, liebe ich, bestimmt auch du, alle Tiere – ALLE! Aber die Katze ist etwas besonderes, so unnahbar.
    unergründlich♥
    Danke, für diesen wunderschönen Blog und diese zuckersüßen Einblicke eures Beisammenseins!

  5. Und ich sage Danke, vielen Dank für die schönen Worte.
    Ich weiß gar nicht, wohin mit all den schönen Worten und dem Lob.
    Ich muss dafür erst mal anbauen.

    Ich mag an Katzen und Gnä Frau im Speziellen dieses wunderbar einnehmende Wesen.
    Man(n) ist regelrecht froh, es ihnen recht machen zu dürfen und dem muss ich jetzt nachkommen, Gnä Frau möchte ihr zweites Frühstück!

    Viele Grüße!

Ich freue mich auf einen Kommentar!

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