Das Zusammenleben


Die gnädige Frau hat einige sehr schöne Eigenschaften, die ich an ihr mag.

Sie klaut mir nicht die Wurst vom Brot.
Das schätze ich sehr an ihr, sie lässt mir Meines, so wie ich ihr das Ihre lass‘.
Wir essen es uns nicht gegenseitig weg.
Zugegeben, ich habe da in jedem Fall die höhere Hemmschwelle.
In seltenen Momenten werfe ich ihr ein Stück Wurst zu, sie, skeptisch und dann doch zu neugierig, eben Katze, isst es.
Täte sie das selbe, mir etwas von Ihrem anbieten, ich würde mehr als nur zögern.
Meine Neugier hält sich in Grenzen. Ziemlich. Bin halt doch nur ein Mensch.

Mein Kater, der leider nicht mehr bei mir ist, ich werde wohl nie erfahren, was mit ihm passiert ist.
Mein Kater, er war ein anderes Kaliber.
Ein geöffneter Joghurtbecher war nicht einmal in meiner Hand sicher, dito der Inhalt des Löffels.
Der Weg vom Becher zum Mund war ein Gefahrvoller.
Er musste geschützt und verteidigt werden.
Es war ein Schwanken zwischen Amüsement und leichter Angenervtheit.
Der triviale Vorgang, ein Joghurt zu verzehren wurde zum Survivaltrainig, dem Kampf zwischen Mensch und Natur.
Ich habe mir damals das Herunterschlingen von Nahrung im Allgemeinen und Joghurt im Speziellen angewöhnt.
Dennoch, ich würde alle Joghurts der Welt (ich bin bekennender Joghurtjunkie) teilen, wenn Sammy, mein Kater wieder auftauchen würde…

Die Eigenschaften, die ich an der gnädigen Frau liebe, ich schweife ab. Zurück zum Thema.

Sie mag meine Nähe.
Das klingt jetzt ein wenig eingebildet. Aber wo ich bin, mag auch sie sein.
Ist sie drinnen und ich setze mich auf die Terrasse, so folgt sie nach draussen.
Sitze ich an meinem Sekretär, so folgt sie über kurz oder lang und legt sich auf die schonmals erwähnte Fototasche, die neben dem Sekretär auf dem Boden liegt.
Oder sie zerlegt einen der Kartons, die unter dem Sekretär für sie bereit gelegt sind.
Ich schätze das als willkommene Ablenkung, ihr bei ihrem Spiel zuzusehen.
Ich räume dann die rausgerissenen Kartonschnipsel weg, stelle frische Kartonunterhaltungsware bereit.
Dafür unterbreche ich gerne meine Arbeit.
Abends treffen wir uns auf dem Sofa, wir wechseln uns ab, im zuerst sitzen. Oder liegen…

Irgendjemand meinte mal, Siamkatzen wären sehr mitteilsam.
Ich habe das ignoriert, Gnä Frau ignoriert es auch. Wir haben unser „zur Tür Reinkomm“ Ritual, sie wirft mir etwas lautstark vor, ich verstehe es nicht und leben dann weiter zusammen.
Das ist so im Wesentlichen alles, was sie mir mitteilen möchte.
Schnurrt sie, so nehme ich das als Aufforderung das weiter zu tun, was ich gerade tue.
Und wenn mir der Arm dabei abfällt, auf dem sie gerade liegt.

Schön, wie einfach es ist, seinen Platz im Zusammenleben zwischen Katze und Mensch zu finden und dabei so zufrieden zu sein.
Ein Modell, das im Zwischenmenschlichen nachgeahmt werden sollte? Seinen Platz finden?

Ein Gedanke zu „Das Zusammenleben“

  1. Sammy scheint ein Rowdy gewesen zu sein, während Gnä Frau gesittete Manieren hat….ist ja auch bei Männern und Frauen oft so -:)))
    Diese Joghurtschlacht konnte ich mir lebhaft vorstellen….-.)))
    Sir Percy würde gut zu Ihrer Lady passen, denn er hat auch noch nie etwas stibitzt oder ist auf den Tisch gesprungen, er liebt es nur, seine Mahlzeiten in unserer Gegenwart einzunehmen und seine Schüssel sollte dann in die Nähe unseres Eßplatzes gerückt werden. Es gibt nur eine Sache, die ihn die guten Maniern vergessen läßt und das ist zur Weihnachtszeit Spekulatius, dem kann er nicht widerstehen und leckt dann auch schon mal in der Keksschüssel rum. Aber in den 13 Jahren seines Katzenlebens bei uns, sollten wir das inzwischen wissen und den Spekulatius vor seinem Zugriff schützen.
    Unsere Lieblingskater vor vielen Jahren, der auch Freigänger war, wurde noch nicht einmal ein Jahr alt und verschwand spurlos, stibitze zwar auch nie etwas, aber wenn er den leeren Brotkorb auf dem Tisch entdeckte,sprang er sofort auf den Tisch, kringelte sich gemütlich darin zusammen und schlief. Benutzten wir eine neuen Korb, zog er dahin um….diese Korbomanie hat er nie abgelegt -:)))), ließen wir eine Scheibe Brot zurück in der Annahme, das hält ihn davon ab, fischte er diese mit der Pfote heraus und schwupps war er drin….
    Wir Katzenfans können immer neue Geschichten erzählen und Gnä Frau ist sicher auch ein unerschöpfliches Thema…….
    Leserin erbittet weiteres Katzenlesefutter -:)))

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